Stiftung "Frieden ist ein Menschenrecht"
Bericht und Bilder zur Feierstunde der Verleihung der Sievershäuser Ermutigung am 10. Dezember 2016



Feierstunde mit Vergabe des Friedenspreises Sievershäuser Ermutigung

Am 10. Dezember 2016 um 16.00 Uhr findet im Antikriegshaus in Lehrte-Sievershausen die Feierstunde zu Ehren der Organisation AMICA e.V. statt, die in diesem Jahr den Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ erhält. Ausgeschrieben wurde der mit 5.000 Euro dotierte Preis vom Antikriegshaus Sievershausen und der Stiftung Frieden ist ein Menschenrecht zum Thema „Hilfe für traumatisierte Menschen in Krisenregionen“.

Die Ehrung findet traditionell in zeitlicher Nähe zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember statt. Damit will das Antikriegshaus darauf hinweisen, dass Frieden und Menschenrechte untrennbar zusammengehören.

Die Arbeit, die AMICA zur Unterstützung und Stärkung von traumatisierten Frauen und Mädchen in Krisengebieten leistet, dient dem Selbstbewusstsein der Betroffenen, soll aber gleichzeitig Versöhnungsarbeit befördern. Frauen fliehen genau wie Männer vor Krieg und Verfolgung. Aber sie sind zusätzlich Opfer von Menschenrechtsverletzungen, die fast ausschließlich Frauen betreffen. Ihnen eine Perspektive zu geben, Trauma-Folgen zu lindern und sie zu befähigen, für Frieden und Versöhnung zu arbeiten, ist eine immens wichtige Arbeit für eine friedliche Gesellschaft und braucht viel mehr Unterstützung als bisher gegeben.

Die Laudatio im Rahmen der Feierstunde wird Lutz-Ulrich Besser vom Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen (zptn) halten, ein ausgewiesener Experte in Fragen der Traumaarbeit und selbst in Krisenregionen in Fortbildung und Beratung aktiv.



Antikriegshaus Sievershausen gibt Preisträgerin

der „Sievershäuser Ermutigung“ 2016 bekannt.

Friedenspreis geht an die Hilfsorganisation AMICA e.V. (Freiburg)
für ihre Arbeit mit durch Krieg und Flucht traumatisierte Menschen.


Der mit 5.000 Euro dotierte Friedenspreis, der seit 1988 alle zwei Jahre von der Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen (Antikriegshaus) und der Stiftung Frieden ist ein Menschenrecht vergeben wird, geht in diesem Jahr an die Organisation AMICA e.V. aus Freiburg. Geehrt wird ein engagiertes Eintreten für Frauen und Mädchen, die in Kriegs- und Konflikt­gebieten unter Traumata leiden und darin unterstützt werden, diese zu verarbeiten und wieder ein selbst­bestimmtes Leben zu führen.

In einer Zeit, in der so viel von Flüchtlingen und Fluchtursachen, aber so wenig vom Leid der betroffenen Menschen die Rede ist und in der (in der Politik) Abwehr und Abschottung mehr zählt als Humanität und konsequente Hilfe, ist es umso dringender notwendig, Menschen und Organisationen zu stärken, die sich der betroffenen Menschen annehmen, Alter­nativen anbieten und mit Leben füllen.

Eine siebenköpfige Jury, in der neben drei VertreterInnen des Antikriegshauses auch der ehemalige Auslandsbischof der EKD Martin Schindehütte und Traumaarbeiter aus der Zivilgesellschaft saßen, hat in den letzten Wochen über beeindruckende Bewerbungen zu entscheiden gehabt und sich nach langer Diskussion für die Freiburger Hilfsorganisation AMICA e.V. ausgesprochen. Die Jury ist sich bewusst, dass auch die anderen Bewerber eine sehr engagierte Arbeit leisten und möchte dafür ihren Respekt und großen Dank aussprechen.
AMICA begann ihre Arbeit 1993 in Bosnien-Herzegowina mit der Unterstützung der therapeutischen und medizinischen Hilfe für Opfer sexualisierter Gewalt und der Organisation von „Ferien vom Krieg“ für Kinder. Heute ist AMICA in Bosnien, Kosovo, Libanon und Libyen aktiv. Zu den Kernaufgaben gehören die psychosoziale Arbeit mit Traumatisierten, medizinische Versorgung, Rechtsberatung, Maßnahmen zur Existenzsicherung sowie Projekte zu Chancengleichheit, Frieden und Versöhnung. AMICA befähigt dabei Frauenorganisationen in den Arbeitsregionen, nachhaltige Strukturen zur Unterstützung von Frauen aufzubauen, die Opfer von Gewalt wurden.
Darüber hinaus will die Jury mit der Preisvergabe an AMICA darauf hinweisen, dass Frauen und Kinder am schwersten unter (meist männlicher) Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten zu leiden haben und dass Frauen andererseits diejenigen sind, die in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft sehr viel für den Frieden und einen friedlichen Alltag leisten. Frauen in dieser Situation dadurch zu helfen, dass sie durch ein stabilisierendes Umfeld neue Stärke und Selbstbewusstsein gewinnen, ist eine enorm wichtige, friedensbildende Aufgabe, der sich AMICA mit viel Leidenschaft verschrieben hat. „Dies wollen wir mit dem Preis  anerkennen und ermutigen“, so Berndt Waltje vom Vorstand des Antikriegshauses.
Die Ehrung selbst wird am Sonnabend, dem 10. Dezember 2016 – am Tag der Menschenrechte – um 16:00 Uhr in einer Feierstunde im Antikriegshaus Sievershausen begangen.



Die Sievershäuser Ermutigung

wird seit 1988 im zweijährigen Rhythmus für beispielhafte Friedens- und Menschenrechtsarbeit durch das Antikriegshaus Sievershausen und jetzt auch die Stiftung Frieden ist ein Menschenrecht vergeben. Sie ist mit 5000,- Euro dotiert. Die Ausschreibung erfolgt zu wechselnden thematischen Schwerpunkten. So stand in 2014 die Stärkung der zivilen und gewaltfreien Konfliktbearbeitung im Mittelpunkt, geehrt und ermutigt wurde das forumZFD aus Köln. 2012 wurden die christliche Basisgemeinschaft "Brot & Rosen" aus Hamburg und das Projekt DiaMiPa des Diakonischen Werkes in Hannover für ihr Engagement für Menschen ohne Papiere mit dem Friedenspreis bedacht. 2010 wurde die Journalistin Maria Isabel Gámez für ihren Einsatz für Pressefreiheit und Menschenrechte in El Salvador ausgezeichnet. 2008 ging der Preis an die Organisation MADAM aus Sierra Leone für ihre Arbeit zur Rehabilitation von ehemaligen Kindersoldaten.
Der Friedenspreis soll die Preisträger in ihrer Arbeit ermutigen und unterstützen, aber auch darüber hinaus Mut machen, sich für die Ziele von Frieden und Menschenrechten zu engagieren, wie Rupert Neudeck in seiner Laudatio auf die tschetschenische Menschenrechtlerin Taita Junusova, Preisträgerin des Jahres 2006, hervorhob.



Natürlich müssen wir dieses Preisgeld auch erst einmal aufbringen, alle zwei Jahre eine nicht gerade einfache Aufgabe. Die Stiftung Frieden ist ein Menschenrecht ist auch aus diesem Grund geschaffen worden, allerdings sind wir durch die sehr niedrigen Zinsen (nur diese dürfen vom angelegten Kapital ver­wendet werden) noch nicht in der Lage, das Preisgeld und die Kosten rund um die Ermutigung aufzubringen.

Deshalb hat die Stiftung in 2016 nicht zu weiteren Zustiftungen aufgerufen (die bleiben Ihnen natürlich trotzdem unbenommen), son­dern hat gemeinsam mit dem Antikriegs­haus um Spenden für die Ermutigung gebeten, denn Spenden dürfen wir kurzfristig einsetzen. Die zu erwar­teten Kosten einer Ermutigung betragen inkl. des Preisgeldes rund 7.500,-€, und wir sind stolz sagen zu können, dass die Stuftung und großzügige Spender*innen einen Großteil dieser Summe aufgebracht haben. So konnte die Verleihung des Friedenspreises zu einem gelungenen Festakt gestaltet werden. Wir sagen ganz herzlich DANKE!